NeXT

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NeXT
NeXT Computer, Inc. → NeXT Software, Inc. → Apple Computer (1996)
Redwood City, Kalifornien 1986 – 1996 Geburtsort des WWW Grundlage von macOS

Geräte im Museum

Geschichte

Machtkampf bei Apple & der Neustart 1985 – 1986

Vor 25 Jahren: Apple kauft Next, Steve Jobs zurück - Macwelt
Steve Jobs – Gründer und Visionär von NeXT

Im Mai 1985 verlor Steve Jobs nach einem eskalierenden Machtkampf mit CEO John Sculley seinen operativen Posten bei Apple. Im September 1985 verliess er die Firma, die er selbst mitgegründet hatte. Apple verklagte ihn – mit begrenztem Erfolg. Ein Vergleich verpflichtete Jobs, Apple bis Juli 1987 keine eigenen Computer auf den Markt zu bringen.

Noch eine Woche nach seinem Rücktritt gründete Jobs Next Incorporated. Mit ihm kamen fünf Apple-Kollegen: Rich Page, George Crow, Bud Tribble, Dan'l Lewin und Susan Barnes, später ergnzt durch Randy Heffner und Gary H. Moore. Jobs steckte 7 Millionen USD aus eigenem Vermögen in das Projekt. Die erste Firmenzentrale war seine Villa in Woodside, Kalifornien.

Das NeXT-Logo entwarf der Stardesigner Paul Rand (bekannt für IBM, UPS, ABC) – für 100.000 USD. Rand lieferte exakt ein Logo, ohne Alternativen: ein schwarzer Würfel mit gelbem „e“, um 30 Grad gedreht.

 

Der schwarze Würfel – NeXTcube & NeXTstation 1988 – 1993

NeXT: The Hardware - 512 Pixels
NeXTcube – 30,5 cm Magnesiumgehäuse, entworfen von Hartmut Esslinger

Am 12. Oktober 1988 präsentierte Jobs den ersten NeXT-Computer im Louise-Davies-Konzertsaal in San Francisco – 2,5 Stunden lang, seinem ersten öffentlichen Auftritt seit dem Apple-Abgang. Die Fachpresse war begeistert. Das Mac User Magazine schrieb, der Rechner werde Sex ersetzen. Verkauft wurden bis Ende 1988: 400 Geräte pro Monat.

CPUMotorola 68030, 25 MHz
RAM8 MB
Display17", 1120×832 Pixel, monochrom
SpeicherMagneto-optisch, 256 MB
DSP56001, 20 MHz (Sound/Grafik)
Preis6.500 USD (ca. 17.000 CHF heute)

Das Gehäuse – ein perfekter schwarzer 30,5-cm-Würfel aus Magnesium – war ein Entwurf des deutschen Formgestalters Hartmut Esslinger (Schwarzwald, 1944), der auch das Apple IIc und den ersten Mac designed hatte. 1989 kam der NeXTcube mit Erweiterungsslots; Canon erwarb 16,6 % an NeXT für 100 Millionen USD.

1990 folgte die NeXTstation – eine flache „Pizzabox“, die unter den Monitor geschoben wurde, ab 4.995 USD. 1991 erschien die NeXTstation Color. Trotzdem: In zwölf Jahren wurden insgesamt nur rund 50.000 Geräte verkauft. Im Februar 1993 stellte Jobs die Hardware-Produktion ein. Canon übernahm die Fertigung, 330 von 530 Mitarbeitern verliessen NeXT.

 

NeXTSTEP – das Betriebssystem, das die Welt veränderte 1988 – 1996

Während die Hardware flöpte, war NeXTSTEP seiner Zeit weit voraus. Entwickelt von Avie Tevanian und seinem Team, basierend auf dem Mach-Kernel der Carnegie Mellon University und BSD-Unix, bot es:

OOPObjektorientierte Programmierung als Basis
Display PostScriptWYSIWYG auf Pixelebene
Dock & IconsStil späterer macOS-Versionen
Install/DeinstallErstes einheitliches App-System
NetzwerkGUI-basierte Netzwerkconfig (NetInfo)
OpenStep1993 auch für Intel / Unix portiert
Das World Wide Web wurde auf einem NeXT erfunden: Tim Berners-Lee entwickelte 1990 am CERN in Genf den ersten Webbrowser und den ersten Webserver auf einer NeXT-Workstation. Die erste Website der Welt lief auf NeXTSTEP. Das NeXTcube-Gehäuse trug den Aufkleber: „This machine is a server. DO NOT POWER IT DOWN!!“

Bill Gates, gefragt ob Microsoft für NeXTSTEP entwickeln werde, antwortete 1992: „Develop for it? I'll piss on it.“ – Microsoft blieb Microsoft, NeXTSTEP blieb NeXTSTEP, und am Ende wurde NeXTSTEP zu macOS.

Nebenprojekt: Pixar 1986 – 2006

Parallel zu NeXT erwarb Jobs 1986 für 5 Millionen USD – gemeinsam mit Edwin Catmull – die Grafikabteilung von Lucasfilm. Das neue Unternehmen hiess Pixar. 1995 erschien Toy Story, der erste vollständig computeranimierte Kinofilm; der Börsengang machte Jobs zum Millardär. 2006 übernahm Walt Disney Pixar für 7,4 Milliarden USD – Jobs wurde grösster Disney-Einzelaktionär.

Der Verkauf an Apple – und die Rettung von Apple 1996

Ende 1996 suchte Apple verzweifelt nach einem modernen Betriebssystem für die Zukunft. Kandidaten waren Be OS und NeXTSTEP. Am 20. Dezember 1996 kaufte Apple NeXT für 429 Millionen USD (plus 1,5 Mio. Apple-Aktien an Jobs persönlich). Steve Jobs kehrte zunächst als Berater zurück – und übernahm im Sommer 1997 die operative Leitung.

✨ Die grösste Ironie der Technikgeschichte: NeXT wurde mit dem erklärten Ziel gegründet, Apple zu übertreffen und zu zerstören – und rettete Apple stattdessen vor dem Untergang. In zwölf Jahren nur 50.000 Geräte verkauft, aber ein Betriebssystem erschaffen, auf dem jedes iPhone, jedes iPad und jeder Mac bis heute läuft.

Das Erbe: macOS, iOS & das moderne Apple 1997 – heute

NeXTSTEP → OPENSTEP → Mac OS X (2001)macOSiOSiPadOS / tvOS / watchOS
Der Mach-Kernel, die Objective-C-APIs (Cocoa), das Dock, die App-Bundles – alles NeXT. Jedes Apple-Gerät ist im Kern eine NeXT-Maschine.

Avie Tevanian, NeXTs technischer Direktor, wurde Apples Chief Software Technology Officer und führte die macOS-Entwicklung bis 2006. Open-Source-Nachfolger wie GNUstep halten das NeXT-API-Ökosystem bis heute lebendig.

Kurzprofil
Gegr. 1985/1986, Palo Alto CA
Gründer Steve Jobs + 7 Ex-Apple-Kollegen
Startkapital 7 Mio. USD (Jobs pers.)
Sitz Redwood City, Kalifornien
Logo Paul Rand, 100.000 USD
Investor Ross Perot (20 Mio.), Canon (100 Mio.)
1. Gerät NeXTcube (Okt. 1988, 6.500 USD)
Verkauft ca. 50.000 Geräte gesamt
Hardware eingestellt Feb. 1993
WWW Berners-Lee, CERN 1990
Verkauf 20. Dez. 1996, Apple, 429 Mio. USD
Erbe macOS, iOS, iPadOS, Cocoa-API

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