|
|
|
NokiaVon $1
Inhaltsverzeichnis
Geräte im MuseumGeschichteVon der Papiermühle zum Mischkonzern 1865 – 1967Der Bergbauingenieur Fredrik Idestam gründete am 12. Mai 1865 am Fluss Tammerkoski nahe Tampere, Finnland, eine Zellstoffmühle. Die zweite Fabrik entstand in der Kleinstadt Nokia – die ihr später den Namen gab. Das Unternehmen exportierte Papierprodukte nach Russland und Grossbritannien. Parallel entstanden zwei weitere Firmen: die Suomen Gummitehdas (Gummiwerke, gegr. 1898 – Galoschen, Reifen, Kabel) und die Suomen Kaapelitehdas (Kabelwerke). 1967 fusionierten alle drei zur Nokia Corporation. Das neue Unternehmen produzierte gleichzeitig Toilettenpapier, Gummistiefel, Autoreifen, Stromkabel und Fernsehgeräte. Im Museum Vapriikki in Tampere ist noch heute Nokia-Toilettenpapier aus den 1960er Jahren ausgestellt. Einstieg in Elektronik & Mobilfunk 1970 – 1991 Mobira Cityman 900 (1987) – erstes tragbares Nokia-Telefon In den 1970er Jahren erkannte Nokia das Potenzial der Telekommunikation. 1981 erhielt Skandinavien sein erstes Mobilfunknetz NMT (Nordic Mobile Telephone) – das weltweit erste internationale Mobilfunknetz. Nokia lieferte die ersten Autotelefone: der Mobira Senator (1982) wog fast 10 Kilogramm. 1987 erschien das Mobira Cityman 900 – das erste wirklich tragbare Nokia-Mobiltelefon. Der damalige sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow telefonierte bei einer Pressekonferenz damit – ein Bild, das um die Welt ging und Nokia weltberühmt machte. In Deutschland übernahm Nokia 1988 die Audio-Video-Sparte von Standard Elektrik Lorenz (SEL) mit den Marken ITT Schaub-Lorenz und Graetz (Hauptstandort Pforzheim, 8.000 Mitarbeiter, 1,5 Mrd. DM Umsatz). 1991 verkaufte Nokia die PC-Sparte (MikroMikko-Reihe) und die Unterhaltungselektronik, um sich voll auf Mobiltelefonie zu konzentrieren. CEO Jorma Ollila (1992–2006) setzte voll auf diese Wette – und gewann. GSM, „Connecting People“ & der Aufstieg zur Nr. 1 1992 – 2002 Nokia 3210 (1999) – mit Snake und Wechselschalen zum Kultobjekt November 1992: Nokia präsentierte das Nokia 1011 – das erste GSM-Mobiltelefon der Firma, 475 Gramm schwer, 2.300 DM. Nokia erkannte früher als die Konkurrenz das Potential von GSM und setzte auf günstige, designstarke Massenprodukte. 1994Nokia 2110 & Nokia Tune-Klingelton 1996Nokia 9000 Communicator (Proto-Smartphone) 1998Nr. 1 weltweit überholt Motorola 1999Nokia 3210 & Wechselschalen 2002Nokia 7650 – erstes Kamerahandy f.d. Masse 200235,8 % Weltmarktanteil �� Auf dem Höhepunkt 2000 machte Nokia 4 % des finnischen BIP, 21 % aller finnischen Exporte und 70 % der Marktkapitalisierung der Nasdaq Helsinki aus. Ein einzelnes Unternehmen als nationale Volkswirtschaft. Nokia 1100, Symbian & der längste Gipfel 2003 – 2007Das Nokia 1100 (2003) ist das meistverkaufte Mobiltelefon aller Zeiten: 250 Millionen Exemplare bis 2013. Mit 96×65-Pixel-Display, Snake und integrierter Taschenlampe – simpel, robust, unverwüstlich. Nokias Smartphone-Plattform Symbian OS hatte 2007 einen Marktanteil von fast 63 %. Nokia war von 1998 bis 2011 der grösste Mobiltelefon- und Smartphone-Anbieter der Welt – 13 Jahre in Folge. 2007 betrug der Weltmarktanteil 37,7 %, der Gewinn 7,2 Mrd. Euro. iPhone, Android & der Touchscreen-Schock 2007 – 2013Am 9. Januar 2007 präsentierte Steve Jobs das iPhone. CEO Olli-Pekka Kallasvuo bezeichnete es als „Nischenprodukt“. Nokia antwortete zu spät: Das Nokia 5800 XpressMusic (2008) bot zwar einen Touchscreen, war aber bei weitem nicht so flüssig bedienbar. 2008 kam Android – Samsung, LG und chinesische Hersteller überschwemmten den Markt. ⚠ Das Managementversagen: Nokia hatte intern bereits 2004 Touch-Prototypen und war technisch vorbereitet – scheiterte aber an internen Machtkämpfen, fehlender Software-Kompetenz und der Unterschätzung des App-Ökosystems. 2011 rutschte Nokia in die Verlustzone. Samsung überholte Nokia 2012 als grössten Handyhersteller. Im Februar 2011 kündigte der neue CEO Stephen Elop (ex-Microsoft) eine Partnerschaft mit Microsoft an – Nokia setzte auf Windows Phone statt Android, was die Situation weiter verschlechterte. Am 3. September 2013 verkaufte Nokia die Mobilfunk-Hardware-Sparte an Microsoft für 5,44 Milliarden Euro. Nokia Bell Labs, 5G & der nächste Wandel 2014 – heuteNach dem Verkauf der Handysparte konzentrierte sich Nokia auf Netzwerkinfrastruktur. 2016 übernahm Nokia Alcatel-Lucent – und damit die legendären Nokia Bell Labs, eines der einflussreichsten Forschungslabore der Welt (Erfinder des Transistors, Unix, C, etc.). Nokia ist heute neben Ericsson und Huawei einer der drei grossen 5G-Infrastrukturanbieter weltweit. 2020 schloss Nokia einen Vertrag mit der NASA über den Aufbau eines 4G-Mobilfunknetzes auf dem Mond. Gemeinsam mit Bosch wird an 6G geforscht. HMD Global, der bisherige Nokia-Markenlizenznehmer für Smartphones, verliert 2026 die Exklusivlizenz. Von der Papiermühle (1865) über Gummistiefel (1898), Fernseher (1980er), Handys (1987–2013) zu 5G & Mondnetz (2020+): Nokia hat sich in 160 Jahren fünfmal neu erfunden. Das ist die eigentliche Nokia-Geschichte.
Lade Daten...
Tags: (Schlagworte bearbeiten)
|